11. April 2012 um 14:17 UHR | 1 Kommentar

Buchbesprechung: Plate to Pixel

Wenn man zum Thema Food Photography recherchiert, so wie wir es getan haben,  dann fallen einem schnell zwei Dinge auf und man möge uns darauf hinweisen, wenn wir absolut falsch liegen sollten: Zuerst einmal ist der Großteil der Quellen, ob Literatur oder Foodblog, in englischer Sprache verfasst, zum anderen lässt sich dieses Genre grob in zwei Richtungen unterteilen: ’naturbelassen‘ und ‚totgestylt‘. Hélène Dujardin veröffentlichte im vergangenen Jahr bei Wiley & Sons ein Buch, welches den Einstieg in das Thema auf unsagbar angenehme Weise ermöglicht. Es trägt den Titel »Plate to Pixel – Digital Food Photography & Styling«.

Wie man auch auf ihrem Blog sehen kann, versucht die Autorin die vielfältigsten Speisen möglichst naturbelassen abzubilden. Entgegen vielen ihrer amerikanischen Kollegen, die ihren Fokus auf das Styling von zu ‘perfekten’ Lebensmitteln für Werbung und Verpackungsgestaltung legen, verzichtet Hélène Dujardin darauf, Nahrungsmittel mit Chemikalien zu manipulieren oder gar zu ersetzen. Sie arbeitet ausschließlich mit natürlichen Hilfsmitteln wie zum Beispiel Öl oder Wasser und weckt beim Betrachter keine unnatürlichen Vorstellungen, sondern vielmehr die Lust auf frische Zutaten. Ergänzt durch ihre liebevolle Dekoration, stellt sich beim Betrachter schnell eine wohlige Stimmung und reichlich Appetit ein.

Was das Buch bietet

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, bietet das Buch einen leichten Einstieg, denn die Autorin beginnt weit vorne ohne allzu viel Wissen vorauszusetzen. So lautet der Titel des ersten Kapitels »Photography Basics« und bearbeitet u.a. die Themen Licht, Kamera und allgemeine Grundlagen der Photography. Angenehm hierbei und auch in den folgenden Kapiteln ist, dass Hélène Dujardin dem Leser nicht vorschreibt, dass er eine Kameraausrüstung im Wert von mehreren Tausend Dollar benötigt, sondern auch hinreichend Tipps zum selber bauen und basteln gibt und außerdem die Meinung vertritt, dass auch mit einem einfacheren Kameramodell vernünftige Photos zu erreichen sind. Im nächsten Kapitel »Camera Settings and Modes« vertieft sie das Thema weiter, und geht auf Themen wie Blende, ISO, Weißabgleich und die verschiedenen Camera Modes ein. Bedauerlicherweise sind die meist sehr feinen Unterschiede der Beispielbilder aufgrund der Größe und Druckqualität nicht immer gut zu erkennen. Hier hilft dann nur selbst zur Kamera zu greifen und mit den unterschiedlichen Einstellungen eigene Photos zu schießen, um sie anschließend einem Vergleich unterziehen zu können. Im dritten und vierten Kapitel beschäftigt sich die Autorin mit dem vermutlich wichtigsten Thema der Photographie: Dem Licht. Sie erläutert den Unterschied zwischen weichem und hartem Licht, sowie Einsatzmöglichkeiten von Kunstlicht im Studio und bereichert diese Tipps mit diversen Skizzen und Fotos möglicher Konstruktionen. Auch hier gibt sie Einblick in ihre Arbeit und liefert reichlich Ideen zur Improvisation.

Im weiteren Verlauf ihres Buches geht es um die Speisen und das ‘Bild als solches’. Mit dem Wissen um die photographischen Grundlagen aus den ersten Kapiteln, beschäftigt sie sich nun mit der Bildkomposition, dem Einsatz diverser Accessoires, dem Untergrund und den vielen Details, auf die es notwendig ist zu achten. Außerdem geht es um das Styling und damit um die Perfektion, am Ende des Kapitels verrät die Autorin sogar noch einige wirklich knifflige Tipps und Tricks zum Umgang mit heißen und kalten Speisen, die innerhalb der Food Photography sicherlich einen besonderen Schwierigkeitsgrad aufweisen. Wobei hier wichtig zu erwähnen ist, dass es eher um Kleinigkeiten geht, wie das Dekorieren mit Kräutern und Nüssen, die richtige Form der Sauce neben einem Stück Kuchen und ähnlichem – nicht aber um den Ersatz von Lebensmitteln durch künstliche Ersatzstoffe wie es in vielen anderen Büchern oft der Fall ist.Sie verfolgt damit exakt unseren Ansatz, daher freuen wir uns umso mehr, dass der Verlag uns dieses wirklich großartige Buch zukommen lassen hat.

Um das Buch nun rundherum abzuschließen, ohne etwas auszulassen, widmet sich die Autorin auf den letzten Seiten schließlich noch den Themen der digitalen Nachbearbeitung, der Archivierung und selbst das Thema Backup wird nicht vergessen. Hier geht es freilich nicht mehr in die bislang erreichten Tiefen, anstatt weit auszuschweifen und das Rad neuzuerfinden, liefert sie viele wertvollen Links und weiterführenden Literaturtipps. Zu guter letzt verrät sie dem Leser noch, mit welcher Ausstattung sie selbst arbeitet und sogar welche Phototasche sie bevorzugt – ein wirklich schönes Stück – und zeigt damit, dass sie ganz offenbar zum Perfektionismus neigt und bietet außerdem einen sympathischen und außerordentlich persönlichen Einblick in ihren Alltag. Danke für dieses wunderbare und lehrreiche Buch!

Kommentare

  1. Pingback: Neue Kamera, neues Glück. Wir wechseln zu Canon.

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