20. April 2012 um 16:53 UHR | 3 Kommentare

Zu Tisch mit Meike

Was bisher geschah: Die Literatur und das Kulinarische haben eine, wie wir finden, sehr schöne Gemeinsamkeit. Beide Bereiche regen die Kommunikation an und so reifte der Gedanke eine Interview-Reihe mit interessanten Food- und Literaturbloggern zu starten, um euch vielleicht sogar das ein oder andere Blog schmackhaft machen zu können.

Das Ganze planen wir als regelmäßige Beitragsreihe, um euch und uns einen etwas weitläufigeren Blick auf die thematische Aura zu ermöglichen. Letzte Woche hatten wir Daniela Börger zu Gast heute beehrt uns die verrückte Meike.

Vorstellungsfragen

Stell dich und dein Blog bitte zum Einstieg kurz vor. 

Mein Name ist Meike, ich bin allerdings im Internet meist unter meinem englischen Pseudonym “Me“ zu finden. Ich bin Anfang 30, gebürtige Frankfurterin, aber lebe und arbeite seit 6 Jahren in London. Schuhgröße? Augenfarbe? Wollt ihr sicherlich nicht wirklich wissen 🙂 Ich habe einen noch sehr jungen Blog (er wird im Juli seinen ersten Geburtstag feiern (jupp, mein Blog ist männlich – ich hab ihn nämlich lieb – und das geht besser wenn es ein er ist, oder so)), der genau wie ich thematisch vielseitig veranlagt ist, dessen Schwerpunkt allerdings auf meinen Büchern liegt. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es Neuausgaben oder Klassiker, schon gelesene oder to-be-reads sind, Standalones oder Serien, “richtige Bücher“ oder eBooks. Ich schreibe auch manchmal über meinen Kindle oder über meinen Versuch, meine eigene Sauerteigkultur zu züchten oder über meine Erfahrung als Pottermore-Beta. Außerdem über alles andere, was ich sonst noch als schreibenswert empfinde 😀 Von daher ist mein Titel meiner Meinung nach passend gewählt, grade was die Freiheit zur Vielfalt anbetrifft: “Me thinks about“.

Wie kamst du zum Bloggen?

Angesteckt mit dem Bloggen hatte mich eine ehemalige Kollegin und die verlockende Idee, meine Eindrücke nach dem Lesen festzuhalten und zu archivieren – so eher in die Richtung virtuelles Lesetagebuch 🙂 Was sich allerdings recht schnell zu einem ’Mädchen.. erm Blog für alles’ entwickelte 🙂

Was macht dir am Bloggen am meisten Spaß? 

Ich blogge in erster Linie für mich selbst, um meine Gedanken zu bestimmten Büchern (und mittlerweile auch Filmen und andere Themen) zu sammeln und festzuhalten und natürlich auch zum Zeitvertreib. Das spiegelt sich dann auch in der Vielzahl anderer Themen wieder, bei denen mir mein Blog als Plattform dient. Gerade die Freiheit zu haben, zu schreiben wann man etwas schreiben will, selbst zu entscheiden worüber man schreibt und dass letztendlich ich diejenige bin, die hinter all dem Geschriebenen steht, genau das macht für mich den Spaß am Bloggen aus. Deswegen möchte ich meinen Blog auch nicht in eine bestimmte Kategorie einordnen, denn damit setzt man sich ja gleich wieder Grenzen 😉 Dass sich aus diesem Bloggen heraus nebenbei noch viele virtuelle Freundschaften und ein reger Meinungsaustausch entwickeln sehe ich als einen positiven Nebeneffekt an, den ich nicht mehr missen möchte. Auch die Tatsache, dass (seit ich mit dem bloggen angefangen habe) mein deutscher Wortschatz wieder präsenter ist und ich nicht mehr befürchten muss, meine Muttersprache im “fremdem Land“ ganz zu verlieren, ist ein weiterer willkommener Nebeneffekt dieses Hobbies 🙂

Worüber bloggst du am Liebsten?

Das variiert je nach Tageslage 🙂 Es war eine ganze Zeit lang mein Kindle und eine Art Statusupdate über mein aktuellstes Buch – wobei mir Rezensionen aller meiner gelesenen Werke immer noch sehr schwer fallen und ich dementsprechend langsam damit bin. Ich würde momentan am liebsten ein wenig mehr über mein Leben hier in England bloggen, da gibt es einiges an Kuriosem zu erzählen 🙂 Allerdings bin ich selbst nach meinen 9 Monaten als Blogger immer noch nicht dazu gekommen, diesen Bereich meines Blogs auszubauen – aber das kommt sicherlich auch bald noch 🙂

Wie viel Zeit verbringst du damit?

Ich verbringe leider wesentlich weniger Zeit mit dem Bloggen als ich es mir wünsche und es mir meine spärliche Freizeit erlaubt. Ich versuche daher immer mal wieder zwischendurch und in der Mittagspause den ein oder anderen Artikel zu bearbeiten und vorzubereiten, aber leider kommen mir da immer mal wieder andere Sachen dazwischen und dementsprechend warten noch viele Entwürfe und Ideenskizzen auf ihren großen Tag 🙂 Ich hoffe ja noch immer auf einen komplizierten Beinbruch, der mich mit meinem Laptop zu Hause auf die Couch fesselt und mir die Zeit gibt, all diese Entwürfe und Ideen in die Tat umzusetzen…

Interessenfragen

Was liest du/kochst du vor allem so?

Ich lese hauptsächlich Fantasy, ab und an darf es auch mal Horror, Thriller oder Young Adult sein, seltenst jedoch Chick Lit oder Biographien. Richtig “Nein“ sage ich zu den wenigsten Genres – ausgenommen eigentlich nur Zombies/Splatter, die gehen so gar nicht an mich ran – aber wenn ihr ein Buch kennt, das mich vom Gegenteil davon überzeugen kann.. Gerne! 🙂 Doch bisher bleibe ich meist meinen mystischen Welten treu 🙂 Wenn es zu Romanen kommt, gilt für mich das Motto: “In der Geschichte abtauchen und die Fantasie schweben lassen“ – egal in welcher Form 🙂 Ich koche tagtäglich nach der Arbeit für meinen Freund und mich – typische Frauenrolle 🙂 Wobei er auch kein schlechter Koch ist, aber wenn er kocht dauert alles zu lange (und die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld!) 😉 Er darf sich dafür am Wochenende in der Küche austoben – meist nachdem ich mir aus einem meiner vielen Kochbücher etwas Interessantes herausgeschaut habe und er nachkochen darf 🙂 An Rezepte halten (grade wenn sie aus Kochbüchern kommen) funktioniert bei mir irgendwie nicht wirklich, ich koch eher “frei nach Schnauze“ 🙂 So hab ich es zumindest von meiner geliebten Oma gelernt – und das funktioniert ganz gut so 😀

Was ist dein Lieblingsbuch/Lieblingskochbuch?

Ein Lieblingsbuch hab ich so gar nicht beziehungsweise kann ich das nicht wirklich auf ein einziges Buch beschränken – es gibt einige tolle Bücher, die hier definitiv erwähnenswert wären. Ein Buch, was mich schon in meiner Schulzeit sehr zum Nachdenken angeregt hat und welches ich mittlerweile in drei verschiedenen Sprachen besitze ist “Le Petit Prince“ von Antoine de Saint-Exupéry. Ansonsten kann ich nur noch die Autoren Stephen King, Ken Follett, Rebecca Gablé, Anne Rice und nicht zu vergessen J.R.R. Tolkien nennen, deren Werke bei mir einen bleibenden Eindruck hinterließen und die bis heute die Wahl meines Lesestoffs beeinflussen. Mein Lieblingskochbuch ist (neben dem Standard Schulkochbuch von Dr. Oetker eindeutig das Buch “Brot für Genießer“ von Richard Bertinet Sehr einfache Grundrezepte und viele Variationen machen das Brotbacken einfach und die Brote schmecken toll – richtig klasse!

In welches Land zieht es dich immer wieder zurück und in welches würdest Du gerne mal reisen?

*grins* Ich könnte ja gemein sein und einfach sagen dass es mich immer wieder zurück nach Deutschland zieht, aber dass ich gerne mal woanders hin reisen möchte, aber das wäre echt unfair 🙂 Wobei es schon der Wahrheit entspricht 🙂 Mein echtes Traumziel ist allerdings eher so langfristige Urlaube, so was wie Australien oder Canada, was man ja leider nicht wirklich in 1-2 Wochen abdecken kann… Aber wer einmal Auswandert, der wandert auch gerne weiter… Schau’n mer mal 🙂

Was wolltest Du schon immer mal kulinarisch gerne ausprobieren?

Ich würde wahnsinnig gern einen Chocolatier-Kurs besuchen – die Kunst aus Schokolade tolle Leckereien zu kreieren hatte mich schon immer fasziniert, nur leider überlebt es die Schoko zu Hause nie lange genug, um in den Kochtopf (oder besser: das Wasserbad) zu gelangen 🙂 Außerdem bräuchte ich dann Freiwillige, die meine Versuche verköstigen – ansonsten könnte man mich sicherlich bald kugeln 🙂

Was isst oder naschst du besonders gerne während des Lesens?

Ooooh, naschen während des Lesens ist echt gefährlich, ich vergesse alles um mich herum wenn ich ein richtig gutes Buch lese und es gab Zeiten, da habe ich gar nicht wirklich mitbekommen, was ich währenddessen alles in mich hinein gestopft habe. Sei es Gummibärchen, Schokolade oder auch die ein oder andere Tüte Chips – da kam das Genießen definitiv zu kurz 😮 von daher hab ich mittlerweile nur noch meine Riesentasse mit frischem Milchkaffee neben mir stehen – der dann irgendwann im Laufe des Tages zu einer halben Tasse Eiskaffee mutiert 😉 Aber ich mag auch Eiskaffee, von daher ist das kein Problem 🙂

Was hast du als letztes gelesen/gekocht?

Als letztes habe ich grade gestern den zweiten Teil der “The Hunger Games“ gelesen, und kann es kaum erwarten es mir heute Abend auf der Couch mit Teil 3 gemütlich zu machen. Ich habe zwar schon gehört, dass der letzte Teil leider nicht ganz das hält, was die ersten beiden Teile versprechen, aber da mach ich mir lieber selbst ein Bild 🙂 Gekocht habe ich gestern Abend ein superleckeres Risotto mit Chorizo und Riesengarnelen – eines meiner Lieblingsspeisen und mit 25min Zubereitungszeit (wenn ich mich beeile ;)) grade noch unter der Woche machbar… Mensch, was war das lecker 🙂

Fragen zu deinem Blog

Wie man deinem Blog entnehmen kann, bist du schon seit Jahren ein großer Freund des frischgebackenen Brotes. Welche Brotsorten magst du besonders gern?

Mmmhmm, frischgebackenes Brot ist wirklich was Feines 🙂 besonders wenn es noch warm duftend auf dem Abkühlrost sitzt und leise vor sich hin knarzt und knackt – da steh ich meist schon mit dem Schneidemesser bereit und kann es kaum erwarten, es endlich anzuschneiden – egal ob ich mir dabei die Finger verbrenne 😉 Ich glaube was die Brotsorten angeht kann ich nur eins bestätigen: “absence makes the heart grow fonder!“ – Will sagen: Ich vermisse besonders die Sorten, die ich hier in England nicht im Geschäft kaufen kann, das fängt bei Mehrkorn oder Vollkorn an und geht über dunkles Roggenbrot bis hin zu Laugengebäck oder Blätterteig-Käsestangen. Ich habe ja glücklicherweise nun meinen eigenen Sauerteigstarter, damit ich endlich mal wieder ein wenig gehaltvolleres Brot essen kann, immer nur weiße Baguettes oder dieses typisch englische Toastbrot, da vergeht einem richtig die Lust am Brot.

Was hältst du von dem Trend gegen den ‘traditionellen Bäcker’ hin zu Backshops und wie sieht das mit dem Brot und den Bäckern eigentlich in London aus?

Ich muss hier ganz deutlich zwischen Deutschland und England unterscheiden! In Deutschland selbst mit seiner Vielzahl an traditionellen Bäckern und deren typischen Brotsorten und der Varietät bin ich ein großer Vertreter und Unterstützer der kleinen Dorfbäckerei um die Ecke. Auch wenn der Backshop an einem Samstagnachmittag dann doch eine bessere Auswahl hat und es eben manchmal auch schnell gehen muss.. Während ich in England ganz klar dazu stehe, dass ich die paar Male, die ich mich in einer solchen Kleinbäckerei verlaufen hatte am liebsten gleich wieder vergessen möchte 🙁 Brotvarietät kennt man hier nicht wirklich, geschweige denn dunkles Mehl oder gar Vollkorn. Dies liegt sicherlich auch an der Nachfrage – aber da bin ich dann doch gleich wieder froh, dass Ald* und L*dl hier die Stellung halten und mich mit Sonnenblumenbrot versorgen – wenn auch vorgeschnitten und abgepackt, aber wenigstens hat man da was zum beißen 🙂 Da hat man schon eine deutlich größere Auswahl bei den Brotshops der Giganten wie Tesc* oder Sa*nsburys, bei denen man auch mal ein Walnuss-Feigen-Brot finden kann (was übrigens richtig lecker ist) 🙂 Von daher ist es für mich persönlich in England natürlich praktisch, dass es noch Alternativen zum “traditionellen Bäcker“ gibt und ich hier meiner “Kau-lust“ frönen kann 😀

Fragen zu Lesefutter

Würde dich ein solches Kochbuch interessieren?

Ja natürlich, besonders wenn man darin ein schon gelesenes Buch wieder erkennt (bzw. das Rezept daraus) oder noch besser, wenn man von einem Gericht und den überzeugenden Fotographien so sehr angetan ist, dass dies das Interesse an diesem Buch anregt und man so neue tolle Bücher findet! Ich finde es eine super interessant Aktion und verfolge die Entwicklung sehr gespannt! Ich finde es ja jetzt schon richtig schade, dass ich mir eure Ausstellung nicht anschauen kann..

Hat dich ein Roman schon einmal zum Kochen inspiriert? Kannst du uns was empfehlen?

Hmm, das letzte Buch, bei dem mir beim Lesen das Wasser im Mund zusammengelaufen ist und bei dem ich mitten im Lesen urplötzlich von dem Zwang gepackt wurde, Weihnachtsplätzchen zu backen (es war glücklicherweise grade Dezember) war “Twelve Days of Christmas“ von Trisha Ashley. Wenn ich mich recht erinnere hatte dies dann zwar keine Plätzchenrezepte sondern Punch und andere weihnachtliche Leckereien zu bieten, aber toll war es trotzdem. Und da war noch ein anderes Buch, bei welchem es an jedem Kapitelanfang ein Rezept und eine kleine Notiz gab – ich hab mir schon mehrfach den Kopf über den Titel zermartert, aber ich komm einfach nicht mehr drauf – und die Tatsache, dass ich so gar keine Ahnung mehr vom Inhalt habe, hilft hierbei natürlich auch nicht wirklich weiter… 🙁  Hier wäre es echt hilfreich, wenn ich damals schon meinen Blog geführt hätte, dann wäre dieses sieb-ähnliche Gedächtnis gar kein Problem!

Gibt es etwas was dir in vielen Kochbüchern besonders gut oder gar nicht gefällt?

Oooh, Kochbücher sind toll! Sie haben bei mir einen ganz besonderen Platz im Treppenaufgang, wo sie von den Küchensdünsten geschützt darauf warten, dass ich mich daneben auf die Treppe setze und ein wenig in meinen Favoriten schmökere. Momentan ist dies meistens “Jamie’s 30 minute meals“ da ich immer wieder mal neue Ideen für die schnelle Küche unter der Woche brauche. Besonders gut gefällt mir, wenn Koch- oder Backbücher mehrere Bilder aus verschiedenen Stadien des Kochens/Backens darstellen, grade wenn man etwas Neues “wagt“ ist es doch ab und an schon eine große Hilfe. Außerdem bilde ich mir immer ein, dass solche Bilder dann ein realeres Bild vom “Endprodukt“ darstellen und weniger in die Richtung “designed Foodpictures“ gehen, die zwar super toll aussehen, die mit (m)einem hausgemachtem Ergebnis aber so gar nichts mehr gemein haben, was schon ab und an ziemlich frustrierend sein kann.

Gibt es etwas, was unbedingt mit rein sollte?

Detaillierte, sich nicht widersprechende Anleitungen – und wenn die Zutatenliste vollständig ist, ist das auch noch von Vorteil 🙂 Bei einigen wurde vorausgesetzt, dass man bestimmte Grundlagen wie Butter, Mehl, Salz, Gewürze alles vorrätig hat (und wurden dementsprechend eben bei den Zutaten nicht aufgelistet – doch wenn man dann erst beim Kochen merkt, dass einem etwas Grundsätzliches grade ausgegangen ist und dementsprechend fehlt – das ist doof 🙁 Und idealerweise hat jedes Rezept ein Bild 🙂 Ich suche mir meine Wochenendsgerichte meistens nach den Bildern (und ganz grob nach Zutaten) aus – wer weiß was ich da an tollen Gerichten schon verpasst hab, nur weil es nicht genug Platz für ein Bild gab?

Wo siehst du die größte Herausforderung in unserem Projekt?

Ich glaube, die größte Herausforderung ist die zeitgemäße Darstellung der Speisen in ihrer “Entstehungszeit“ – also die bildliche Darstellung der Epoche passend zum Gericht. Also das Ambiente der entsprechenden Zeit des Rezeptes einzufangen und bildlich darzustellen. Auch kann ich mir vorstellen, dass das Fooddesign, also die Präsentation der Speisen an sich, recht tricky sein kann. Good luck with that! 😉

Was kannst Du uns für unser Projekt mit auf den Weg geben?

Viel Kraft und Durchhaltevermögen! *Kaffeekanne in die Mitte stell* Wie ihr ja schon festgestellt habt besteht ein solch visuelles Projekt auch aus einem gewissen Anteil an “Trial and Error“ – aber durchhalten lohnt sich definitiv und ich finde eure Fotos bisher schon sehr viel versprechend! Weiter so!

Wir danken Meike noch einmal ganz herzlich für dieses vorzügliche Interview! 🙂

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