6. Juni 2012 um 15:47 UHR | 2 Kommentare

Zu Tisch mit Stefanie Köhler

Was bisher geschah: Die Literatur und das Kulinarische haben eine, wie wir finden, sehr schöne Gemeinsamkeit. Beide Bereiche regen die Kommunikation an und so reifte der Gedanke eine Interview-Reihe mit interessanten Food- und Literaturbloggern zu starten, um euch vielleicht sogar das ein oder andere Blog schmackhaft machen zu können.

Weiter geht es nun mit unserer Beitragsreihe, um euch und uns einen etwas weitläufigeren Blick auf die thematische Aura zu ermöglichen. Als Gäste beehrten uns bereits die  jecke, rheinische Frohnatur Daniela Börger und die verrückte Meike mit dem englisch-deutschen Charme. Nun folgt unser erstes Foodblog. Ihr dürft gespannt sein …

Vorstellungsfragen

Stell dich und dein Blog bitte zum Einstieg kurz vor.

Meine Name ist Stefanie, ich bin vor 31 Jahren geboren und lebe nun seit mittlerweile 5 Jahren in Hamburg. Ich bin ein sehr sinnesorientierter Mensch und lerne sehr schnell, wenn ich sehe, höre, rieche, fühle, schmecke. Genussüchtig bin ich schon viele Jahre, doch mein Blog Genusssucht entstand erst zu Beginn des Jahres 2012.

Ich bin ein äußerst begeisterungsfähiger Mensch und habe vielseitige Interessen. Irgendwann zwischen Kindheit, Erziehung, Familiendasein, Groß- und Erwachsenwerden habe ich gelernt, wie Genuss in seinen Grundzügen funktioniert und wie gut mir das genussvolle Leben tut. Mein Großvater hat mich in frühen Kindesjahren durch seinen Obst- und Gemüseladen für heimische und exotische Früchte sowie Gemüse schwärmen gelehrt, mein Vater arbeitete früher im Lebensmittelbereich und war der Sonntagsbratenkönig der Familie, meine Mutter gärtnerte fleißig und brachte uns nicht nur das ABC der Alltagsküche und der Tischkultur bei, sondern sorgte auch dafür, dass ich mitten in der Pubertät nicht nur mit Make-Up im Gesicht, sondern auch mit seltsam anmutenden Gemüse-Kochversuchen aus unserem Garten herumexperimentieren durfte und zum ersten Stück meiner Identität finden konnte. Als sie später auch noch begann Backbücher zu schreiben, trat das Schreiben und Denken über Rezepte und Zubereitungsschritte wohl zum ersten Mal wirklich in mein Bewusstsein.

Wie kamst du zum Bloggen?

Mein Blog ist zu Beginn dieses Jahres entstanden. Verfolgt hatte ich viele schöne Foodblogs schon seit 2, 3 Jahren und mir dort oft Inspiration geholt. Da ich persönlich jedoch nicht immer nur auf der Suche nach neuen Rezepten bin, sondern oft auch nur nach ungewöhnlichen Kombinationen verschiedener Bestandteile oder nach neuen Produkten, neuen Denkanstößen, neuen Bildern, Impressionen und Informationen, habe ich nicht immer genau finden können, was ich suchte. Über lange Zeit dachte ich deshalb schon darüber nach, einen eigenen Foodblog zu starten, aber irgendwie fehlte noch der Anstoß.

Als sich dann Ende letzten Jahres neue Perspektiven für 2012 herauskristallisierten entstand jedoch auf einmal der dringende Wunsch, Neues auszuprobieren. In den ersten Wochen war der Blog eigentlich nur als Begleitmaßnahme zu einer privaten Dinner-Serie namens „Genusssucht“ angedacht, die ich im Januar startete, aber schon kurze Zeit später war ich durch das Feedback auf die ersten Posts so sehr ermutigt, dass der Blog sich von einer Begleitmaßnahme in eine eigene Welt verwandelte – und noch immer am Verwandeln ist. Die Themen, über die ich früher gerne in späten Nächten nach diversen Gläsern Wein diskutierte, bekamen auf einmal ein neues Ventil. Seitdem hangele ich mich durch die verschiedenen Facetten meiner Genusssucht und meines kulinarischen Schaffens – vom sich weiterentwickelnden Fotografiestil über kleine Rezepte, Soulfood-Auslobungen oder Berichte über die Dinner-Serie, bis hin zur Genussmoral und den kulturellen sowie emotionalen Aspekten des Genusses. Und weil Genuss für mich eine so große Welt ist, die nicht nur aus dem nächsten Cupcake-Rezept oder bunten Bild besteht, spiegelt das der Name meines Blogs wider, der letztendlich die Zusammenfassung meiner persönlichen Reise und Ambition ist: Genusssucht –Die Welt in allen Sinnen.

Fragen zu deinem Blog

In deinem Blog schreibst du, dass du gerade eine 6-wöchige Amateur Kochgrundausbildung am Institut Paul Bocuse in Lyon machst. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle. Das war bestimmt gar nicht so einfach einen Platz zu bekommen! Nun interessiert uns natürlich alle brennend 😉 Wie kamst du dazu? Was musstest du alles machen, um einen Platz zu bekommen und vor allem wie ist es?

Oh ja, ich habe gerade zugegebenermaßen die bislang beste Zeit meines kulinarischen Daseins. In Deutschland habe ich wirklich lange nach Möglichkeiten gesucht, als ambitionierter Amateur noch mehr über Techniken zu lernen – abseits von normalen Kochkursen, in denen man meistens nur eine Menü-Abfolge anhand der Rezepte und einiger weniger Profi-Tricks beigebracht bekommt. Literatur zu Kochtechniken, Schneidetechniken, Menüzusammenstellungen und Tellerpräsentation etc. gibt relativ wenig, schließlich lassen sich viele hilfreiche Handkniffe, Haltungen etc. nur mühsam per langweiliger Bildabfolgen auf Papier erklären. Am Ende steht man oft in der Küche, ein riesiges Stück teuren Fleischs in der Hand, schaut ratlos auf die Bilder von Kochbüchern und blättert mit verschmierten Händen das Buch dreckig. Ich wollte mehr als das und konnte es in Deutschland trotz langer Recherche in der gewünschten Intensität und dem ersehnten Umfang leider nicht finden. Damals gab ich dank hektisch arbeitender Zeiten erst einmal wieder auf.

Als ich dann vor 2 Jahren ohne Plan und zeitliche Einschränkung durch Frankreich reiste, einfach verharrte wo es mir gefiel und weiterfuhr, wo es mir schnell langweilig wurde, merkte ich schnell, für welche Themen mein Herz schlägt und wofür ich mich am meisten begeistere. Obwohl ich mir rein gar nichts vorgenommen hatte, keine Ziele gesteckt oder Pläne geschmiedet, landete ich dennoch stets dort, wo sich alles um den Genuss drehte: In Lyon, wo ich mehr über Paul Bocuse und die französische Bouchon-Küche lernte als ich zuvor aus meinen Büchern wusste, im Burgund, wo ich viel Zeit mit allerlei Wein-, Schnecken- und Senfbergen verbrachte, im Herz der Champagne, wo ich mich tagelang durch die Champagnerhäuser probierte. Als ich zurückkehrte nach Deutschland war mir klar, dass sich dringend etwas ändern musste in meinem Leben, an meinem Job, an meinen Perspektiven. Genau genommen begann die eigentliche Reise also erst nach der Reise.

Die Zeit darauf verbrachte ich sehr intensiv damit, mich in puncto Fotografie weiterzubilden. Noch zum Ende des gleichen Jahres bewarb ich mich mit fiebriger Euphorie am Institut Paul Bocuse für den 6-wöchigen Kurs 2011, der allerdings schon ausgebucht war. Da ich nicht auf einen 3-wöchigen Kurs ausweichen wollte, versuchte ich es im darauffolgenden Spätsommer, als endlich seitens des Instituts die neuen Kursdaten und das Programm für 2012 standen, noch einmal. Nach langem Warten kam die Zusage zwei Tage vor Weihnachten und brachte das Jahr zu einem sehr glücklichen Abschluss. Wie und warum ich dort angenommen wurde? Haargenau weiß ich das nicht, aber die Ansprechpartnerin des Instituts sagte mir kürzlich bei einem Dinner, dass mein Motivationsschreiben und meine Ambitionen Eindruck gemacht hatten. Ich hatte zwischenzeitlich ein Praktikum im Foodstyling bei einem großen Verlag gemacht und mit Weiterbildungen im Bereich Wein begonnen. Unter über 45 Bewerbern für diesen einen Amateur-Kurs wurden 10 hochmotivierte Teilnehmer ausgewählt, die meisten wurden vorher lange am Telefon interviewt, wie ich mittlerweile weiß. Ich hingegen konnte wohl mit der Beharrlichkeit meiner Folgebewerbung und der steten Nachfrage nach dem Entscheidungsstand sowie den ernsthaften Absichten beeindrucken.

Nun, wenige Monate später, sitze ich in Lyon und habe gerade etwas mehr als die Hälfte dieser 6 Wochen hinter mir. Es ist unfassbar wie schnell die Zeit vergeht, wenn man tagein, tagaus macht, worauf man so lange gewartet hat und es tut gut, mit 9 weiteren Genusssüchtigen die Tage zu verbringen und sich über alle damit einhergehenden Themen auszutauschen. Besonders reizvoll ist, dass die Teilnehmer international zusammengewürfelt sind: Brasilien, Italien, USA, Singapur, Kanada, Frankreich und Deutschland sind allein in unserem 10-köpfigen Kurs vertreten. Wir lernen 8 Stunden täglich das Kochen im Zeitraffer, müssen danach noch einige Stunden in die Nachbearbeitung des Tages mit seinen Notizen stecken um die schnelle Taktung auch in den Kopf zu meißeln und werden, wie die übrigen Haute Cuisine Auszubildenden des Instituts, darauf trainiert, ein perfektes, spannendes Ergebnis abzuliefern, wie es jedes Sterne-Restaurant von seinen Angestellten erwarten würde. Zwei Wochen Kochtechnik zu Beginn des Kurses haben gezeigt, dass viele als kompliziert eingestufte Dinge unglaublich schnell und einfach zu bewerkstelligen sind, wenn man nur weiß wie. Seitdem sind Kreativität, Organisationstalent und Stahlnerven gefragt, denn trotz des wohl geduldigsten und herzerwärmendsten Chefkochs aller Zeiten an unserer Seite ist dieser Kurs kein Spaziergang. Jeden Abend, nach abschließendem Putzdienst in der tagesverdreckten Großküche, gehen 10 schweißgebadete, uniformierte Kochamateure völlig k.o. in ihr vorübergehendes Zuhause – und haben dabei das seligste Glühen auf ihren Wangen und das glücklichste Grinsen im Mundwinkel, dass nur denjenigen vorbehalten ist, die sich diesen Wahnsinn freiwillig antun, weil ihre Genusssucht einfach nicht locker lässt.

Was macht dir am Bloggen am meisten Spaß? Worüber blogst du am Liebsten? Wie viel Zeit verbringst du damit?

Am Foodbloggen reizt mich die gesamte Welt des Genusses. So sehr, wie ich es mag, den Tisch mit anderen Genussmenschen zu teilen, so sehr mag ich es auch, meine Ansichten über Genuss, über Produkte und Rezepte, über Wohlfühlen und das große Glück im kleinen Detail mit anderen zu teilen. Doch auch wenn Freunde und Familie sich redlich bemühen, meine Begeisterung für diese Dinge nachzuempfinden oder in manchen Punkten zu teilen: Die wenigsten interessieren sich dafür im gleichen Maße. Gerade deshalb ist der Blog ein guter Platz, um Ansichten loszuwerden und um Feedback von Menschen zu erhalten, die genau die gleichen Interessen haben und Ess- sowie Tischkultur für so essenziell halten wie ich.

In den Monaten vor Lyon richtete sich die Blog-Zeit nach meiner verfügbaren Freizeit, da ich noch an einigen Projekte arbeitete. Momentan ist die Blog-Zeit leider sehr reduziert, da mein Tagesablauf völlig vom Institut Paul Bocuse bestimmt ist, die Abende mit Nachbereitung und gemeinsamen Ausflügen und Restaurantbesuchen oft lang werden und die Wochenenden mit anderen Kursteilnehmern auf kulinarischen Ausflügen und Shoppingtouren verbracht werden. Natürlich möchte ich die größtmögliche Aufmerksamkeit für diesen langgehegten Wunsch aufbringen, um auch wirklich das beste aus dieser Zeit mit zurück zu nehmen. Da muss das Bloggen leider etwas zurückstecken – auch wenn ich gerne so viel mitteilen würde, das sich in der schnelldrehenden Lernfrequenz oft schon wieder völlig überholt hat, bis ich überhaupt zum Bloggen komme.

Interessenfragen

Was liest du/kochst du vor allem so?

Am liebsten lese ich alles, was mit Genuss zu tun hat. Natürlich habe ich eine große Kochbuch-Sammlung und liebe es sehr, mich ganze Samstage oder Sonntage in neuen Kochbüchern oder Kochbuchabteilungen zu vergraben, nach neuen Anstößen Ausschau zu halten oder in redaktionellen Foodmagazinen über Produzenten und ihre Produkte, über Regionen und ihre Spezialitäten oder über Kulturen und ihre Genussgewohnheiten zu lesen. Darüber hinaus lese ich gerne sprachlich raffinierte Literatur. Ich bin kein großer Krimi- oder Schnulzen-Fan, brauche weder Dramatik noch Gruseln oder historische Romane, kann mich aber in wunderschön gebauten Sätzen, in bedeutungsvollen Metaphern, bedachter Interpunktion und bildhafter Sprache verlieren. Streckenweise kann ich auch mal nur Magazine und kurze Bücher lesen, weil ich keine Muße für endlose Lesestunden habe, zu anderen Zeiten widerum reicht mir das nicht aus und ich möchte tiefer in Literatur versinken und mich am liebsten tage- oder mindestens nächtelang durch ein dickes Buch arbeiten und wegschließen von der Welt. Alles nur eine Frage des Zeitpunkts.

Noch launenabhängiger als beim Lesen bin ich wohl nur beim Essen. Meine Tiefkühlschubladen beherbergen zwar stets allerlei Köstlichkeiten, sowohl roh als auch gekocht, aber meistens kann ich morgens noch nicht voraussagen, worauf ich abends Lust haben werde. Aus diesem Grund habe ich gerne einfach mal alles auf Vorrat. Mein Kühlschrankinhalt lässt in seiner Angebotsvielfalt meistens eine 4-köpfige Familie vermuten. Äußerst ungern lege ich mich auf einen Kochstil fest, denn obwohl man bei mir wirklich oft französisch angehauchte Gerichte findet, mag ich genauso gern italienische, japanische, thailändische und indische Gerichte. An manchen Tagen macht mich ein einziger gedämpfter Brokkolikopf, nur mit Salz und ein paar Tropfen Olivenöl garniert, zu glücklichsten Person des Universums, an anderen Tagen bin ich mir nicht zu schade nur für mich allein ein 4-Gänge-Menü zu kochen. Und da ich eine große Gewürzsammlung habe, einen ausgeprägten Sinn für lange Marktbesuche und dazu (oder vielleicht auch deswegen) immer viele Vorräte, kann ich wunderbar improvisieren. Da Kochen für mich das ist, was eine Stunde Meditation oder Yoga für andere Menschen sind, kommt es auch nicht immer unbedingt darauf an, was ich koche. Hauptsache ist oft, dass ich koche. Wenn die Laune da ist, stelle ich mich auch mal nach einem 16-Stunden-Arbeitstag noch mitten in der Nacht in die Küche, um mein Lieblings-Soulfood-Curry zu kochen. Wie gesagt: Alles nur eine Frage des Zeitpunkts.

Was ist dein Lieblingsbuch/Lieblingskochbuch?

Wie sollte es auch anders sein: einen alleinigen Favoriten gibt es natürlich nicht. Besonders gerne und oft nehme ich Vive la France von Stéphane Reynaud in die Hand, weil es so viele einfach und trotzdem raffinierte, auf der anderen Seite aber auch viele rustikale Rezepte enthält. Die humorvollen Randbemerkungen und die Unernsthaftigkeit für die Zubereitungsschritte nehmen der sonst recht ernsten – wenn auch fabelhaften – französischen Bistroküche den altmodischen Esprit. Genauso oft habe ich wohl das Standardkochbuch von Paul Bocuse in der Hand. Wenn es dann feiner und außergewöhnlicher werden soll, ziehe ich gerne Tanja Grandits Kochücher aus dem Regal – ihre Rezepte bestechen durch Leichtigkeit und Raffinesse und machen mir immer Laune, mal wieder ein 5-Gänge-Menü für Freunde zu kochen. Zur großen Inspiration und Kontemplation liege ich gerne mit dem Noma Kochbuch in meinem Sitzsack – die Foodfotografie ist unbestechlich, die Kreationen von René Redzepi und seinem Team sind für mich der absolute Gipfel der Kreativität. Ich kann stundenlang in diesem Buch blättern, mir Zutaten und Zubereitungsschritte durchlesen, danach die Augen schließen und das Gericht auf meiner Zunge schmecken.

Kürzlich habe ich außerdem zu einem kulinarischen Abend auch einen wunderbaren kulinarischen Gedichtband geschenkt bekommen: Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut: Hundert kulinarische Gedichte, herausgegeben von Walter Hansen. Darin blättere ich seitdem sehr gerne und lese immer wieder höchst amüsiert einige Gedichte. Fantastisch, was so manche 4-Zeiler über Genuss und über eine Zeit aussagen können.

In welches Land zieht es dich immer wieder zurück und in welches würdest Du gerne mal reisen?

Es zieht mich immer wieder zurück nach Frankreich. Kultur und Essen habe ich früh schätzen gelernt, als wir sehr oft Ferien in Frankreich verbrachten. Die langen Autonächte, das frühe Aufwachen im fahrenden Opel Kadett Kombi, der gerade die Grenze hinter sich gelassen hatte, sowie die anschließende Suche nach dem ersten Croissant um 7 Uhr morgens, in irgendeinem Dorf in Nähe der Autobahn, das hat sich sehr in meine Erinnerung eingeprägt. Ich habe genaue Vorstellungen davon, wie knusprig und buttrig ein Croissant sein muss, um 7 Uhr morgens in Frankreich. Oder wie ein Tomatensalat mit Baguette nach einem Tag an der Atlantikküste schmecken muss. wenn ich nach Frankreich reise, nehme ich immer einen möglichst frühen Flug, um wenigstens um 11 Uhr schon ein erstes Croissant genießen zu können. Ich finde es erstaunlich, wie wir Menschen von Erinnerungen geprägt sind. Und der Genuss spielt dabei eine so immens große Rolle.

Abseits von Frankreich gibt es natürlich noch viele Länder, die ich noch nicht gesehen habe und gerne mal bereisen würde. Das nächste große Wunschziel des Herzens wird aber nicht der nächste Kontinent oder das nächste Exotik-Paradies sein, sondern Copenhagen, spätestens 2013. Für einen Besuch im Noma, hoffe ich. Denn den Rest von Copenhagen kenne ich schon.

Was wolltest Du kulinarisch schon immer mal gerne ausprobieren?

Ich wollte schon immer mal den Duft der Haute Cuisine, ihres Anspruchs und ihrer Herangehensweise riechen. Ich wollte es sogar so sehr, dass ich gerade mitten in der Duftwolke stehe. Abseits von dem was ist, reizt mich so Vieles, was noch werden kann. Denn auch mein beruflicher Weg soll sich möglichst bald in kulinarische Richtung drehen. Das Kochen ist meine große Leidenschaft, Kochbuchverlage interessieren mich sehr, Foodfotografie, das Schreiben, der Wein. Wo das alles hinführen wird, weiß ich momentan noch nicht genau und ehrlich gesagt: Ich will es gar nicht genau wissen. Die Himmelsrichtung, in welche ich marschieren möchte, kenne ich. Meine Fähigkeiten und Grenzen lote ich gerade noch aus, erweitere sie, schaue was ich am besten kann. An welchem Ort ich dann verharren werden, ist noch nicht abgesteckt. Das Spannende am Ausprobieren ist nun einmal das Ausprobieren. Was ich dabei finde oder was mich findet, bleibt ein Teil des Abenteuers.

Was isst oder naschst du besonders gerne während des Lesens?

Während des Lesens esse ich ehrlich gesagt gar nichts. Viel wichtiger ist dabei die Kanne Tee, die immer voll und warm sein muss. Oder eine große Tasse sehr milchiger Milchkaffee am Nachmittag, wenn ich mich mit neuem Magazin oder herausgewühltem Kochbuchstapel gerne in meinen Sitzsack fallen lasse.

Was hast du als letztes gelesen/gekocht?

Die letzten freien Stunden habe ich mit meinen neuen Schätzen verbracht. Die beiden Ladurée Bücher Sucré und Salé, die ich mir schon so lange wünschte und mir hier in Frankreich gerade gekauft habe. Beide Bücher haben einen wunderschönen Einband, sind in hübschen Pappboxen mit Seidenpapier verstaut, haben eine tolle Haptik und begeistern mich selbst mit den unaufregendsten Rezepten. Noch nie hat mich ein Sandwich in irgendeinem Kochbuch gereizt – Ladurée hat’s aber geschafft. Gekocht habe ich daraus trotzdem noch nichts, denn momentan bereite ich jeden Tag 10 bis 12 verschiedene Gerichte in meinem Kurs am Institut Paul Bocuse zu. Da werden abends im schlecht ausgestatteten Hotel-Apartment nur Kleinigkeiten gekocht. Wenn überhaupt noch so etwas wie ein Hungergefühl vorhanden ist nach bis zu 12 Pflichtdegustationen am Tag.

Fragen zu Lesefutter

Würde dich ein solches Kochbuch interessieren?

Euer Projekt interessiert mich sehr, weil es alle Bestandteile zu vereinen verspricht, die ich gerne mag: Essen, Rezepte, Geschichten, Bilder, Literatur. Die Mischung aus Literatur und Essen, das Beleuchten dieser beiden Kulturfacetten, ist wirklich spannend. Ich bin sehr gespannt darauf, wie ihr die Geschichten bildlich darstellen werdet, wie die Rezepte in ihrem historischen Kontext aussehen und präsentiert werden.

Hat dich ein Roman schon einmal zum Kochen inspiriert? Kannst du uns was empfehlen?

Mit großer Begeisterung habe ich von Martin Suter Der Koch gelesen und konnte dabei förmlich die Gerüche der Zutaten und Gerichte in meine Nase ziehen und sogar manchmal den beschriebenen Geschmack auf meiner Zunge schmecken. Aber den Roman habt ihr ja schon längst auf der Liste, wie sollte es auch anders sein 🙂 Außerdem habe ich kürzlich Die Kunst des Essens von M. F. K. Fisher förmlich verschlungen. Es verrät soviel über das Zusammenspiel von Erinnerung, Erfahrung, Familie, und Tradition.

Gibt es etwas was dir in vielen Kochbüchern besonders gut oder gar nicht gefällt?

Ich mag Kochbücher, die etwas über die Persönlichkeit des Autors aussagen. Die Skizzen, Zeichnungen, Geschichten, Details oder Bilder enthalten, die auf Humor, Herkunft oder Emotionen hinweisen und dadurch aus einem einfachen Rezept eine kleine Geschichte machen. Denn aus meiner Sicht ist Essen wesentlich mehr als nur Nahrungsaufnahme: Essen ist unsere Geschichte. Es erzählt von Familie, von Freunden, von Gewohnheiten, von Gesellschaft, Zeit, Kultur – und damit von unserem Leben, oder dem, was wir daraus machen wollten und wollen.

Gibt es etwas, was unbedingt mit rein sollte?

Unbedingt ein Stück von eurer Persönlichkeit, eurem Stil, eurer eigenen Auffassung und eurer eigenen Interpretation der Geschichten.

Wo siehst du die größte Herausforderung in unserem Projekt?

Ich glaube, dass die größte Herausforderung darin liegt, die Geschichten/Auszüge in einen Gesamtkontext innerhalb des Buchs zu stellen, ihnen thematische Zugehörigkeiten, chronologische Abfolgen oder ein andersartiges Sortierungskonzept „anzuziehen“, das es einfacher macht, durch die Rezepte, Bilder und Geschichten hindurch zu führen/zu lesen. Ich denke auch, dass die Balance des Umfangs der ausgewählten Auszüge durchaus anspruchsvoll sein kann, um ihn nicht zu knapp für diejenigen zu machen, die den Kontext nicht kennen und nicht zu langatmig für all diejenigen, die ihn bereits kennen. Es ist schwer, Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren und dabei trotzdem ihren Charme und ihre Eigenart zu erhalten.

Was kannst Du uns für unser Projekt mit auf den Weg geben?
Ich wünsche euch, dass ihr in der Ansammlung der vielen Details den Blick für den großen Zusammenhang nicht verliert – und andersrum. Dann wird das Ende auf jeden Fall ein gutes sein.

Wir danken Stefanie noch einmal ganz herzlich für dieses genüssliche Interview! 🙂

Kommentare

  1. Pingback: Genusssucht im Interview bei Lesefutter Blog | Genusssucht

  2. Ihr Lieben, habe noch nicht viel vom Interview gelesen, das kommt aber noch – jetzt erst Besuch aus der Heimat. Ein Hinweis aber: Der Link zu Stefanies Blog landet im Nirvana 🙂
    Liebe Grüße

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